Pünktlich zur Vergabe der Halbjahreszeugnisse in Berlin und Brandenburg nimmt eine bekannte Diskussion wieder an Fahrt auf: Was sagen Schulnoten wirklich über die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern aus? Prof. Dr. Malte Jansen, Experte für Pädagogische Psychologie an der HMU, forscht zu diesem Thema – und hat eine klare Meinung dazu.
Was Noten auf dem Schulzeugnis aussagen
„Schulnoten spielen eine wichtige Rolle für Bildungs- und Übergangsentscheidungen“, sagt Jansen, „gleichzeitig zeigt die Forschung sehr deutlich, dass Noten nur eingeschränkt vergleichbar sind. Was eine 2 in Mathematik oder eine 3 in Englisch über die tatsächlichen Kompetenzen aussagt, hängt nicht nur von der Leistung der Schüler:innen ab, sondern auch von der Bewertungssituation, von der Lehrkraft und ihren Bewertungsmaßstäben oder etwa vom Leistungsniveau der Klasse und Schule.“
In der Forschung werden Schulnoten häufig mit standardisierten Kompetenztests verglichen. Dabei zeigt sich, dass Noten durchaus mit fachlichen Kompetenzen zusammenhängen, dass aber noch viele andere Aspekte in Noten einfließen – teilweise bewusst, beispielsweise durch mündliche Mitarbeit, teilweise unbewusst, abhängig von den Strenge- und Mildetendenzen der Lehrkraft. „Deshalb sollten Noten nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenspiel mit weiteren Informationen“, so Jansen. Aus pädagogischer Sicht seien Noten zudem nur ein begrenzt geeignetes Instrument zur Lernförderung: „Gute Noten können das Selbstvertrauen stärken, für erfolgreiches Lernen sind jedoch differenzierte Leistungsrückmeldungen nötig und dafür sind Ziffernoten eher ungeeignet.“
Was der HMU-Professor stattdessen empfiehlt, um die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern besser einordnen und vergleichen zu können und was es mit Verbalzeugnissen und Kompetenz-Rastern auf sich hat, wird deutlich in zwei kurzen Interviews, die er heute auf Radio 3 und im rbb Inforadio gegeben hat: